Am Pluspol haben wir die Bildung gelber Schlieren beobachtet. Vermutlich entsteht hier Brom. Die im Wasser gelösten Bromid-Teilchen müssen negativ sein, sonst würden sie nicht vom Pluspol angezogen. Nach unserem Rosinenkuchenmodell haben die Bromid-Teilchen ein Elektron mehr als sie eigentlich haben sollten, sie sind daher negativ geladen. Am Pluspol angekommen, geben sie das überschüssige Elektron an die Kohleelektrode ab. Aus den Bromid-Ionen entstehen "normale" Bromatome.
Jeweils zwei dieser Bromatome lagern sich dann zu einem Brommolekül zusammen.

Abbildung 3:
Vorgänge am Pluspol
Damit hätten wir also einen zweiten Versuch durchgeführt und ihn mit Hilfe des Rosinenkuchenmodells erklärt. Hätten wir zur Deutung der beiden Versuche auch ein anderes Atommodell nehmen können?
Aber natürlich. Mit dem quantenmechanischem Atommodell hätte man die Versuche natürlich auch erklären können. Allerdings hätte dann keiner etwas verstanden. Und mit dem aus der 7. Klasse bekannten Kugelteilchen-Modell, auch als DALTONsches Modell bekannt, hätte man damit auch die Versche erklären können? Nein, dafür ist dieses Modell zu einfach; die Bildung negativ oder positiv geladener Atome kann das DALTON-Modell nicht erklären.
Also merken wir uns folgende wichtige Grundregel:
Zur Deutung eines Versuchs oder Phänomens wählen wir das einfachste Atommodell, welches den Versuch oder das Phänomen widerspruchsfrei erklärt.
Das einfachste Modell zur Erklärung der Zinkbromid-Elektrolyse ist das Rosinenkuchenmodell von Thomson aus dem Jahre 1903. Das einfachste Modell zur Erklärung der Aggregatzustände oder von Lösungsprozessen ist dagegen das DALTON-Modell. Auch den Wasser-Alkohol-Versuch (50 ml Wasser + 50 ml Ethanol = 98 ml Gemisch) kann man bereits mit dem DALTON-Modell erklären.
So langsam sollte deutlich werden, was ein Atommodell überhaupt ist: nämlich eine widerspruchsfreie Sammlung von Aussagen über Atome .